Als Gina Bormann in Magdeburg vor dem Stolperstein stand, der den Namen ihres von den Nazis in Auschwitz ermordeten Vaters trug, fasste sie einen Entschluss: „Ich habe 70 Jahre lang geschwiegen. Jetzt schweige ich nicht mehr. Damit so etwas nie wieder passiert.“
„Ich habe meinen Vater als einen sehr musikalischen und fröhlichen Menschen in Erinnerung, im Gegensatz zu meiner Mutter, die sehr streng war.“ So erinnert sich seine einzige Tochter Gina an Hermann Zerkowski. Die Tochter wird im Dezember 1932 geboren und bald getauft. Sie weiß lange nichts von dem Schatten, der seit Beginn der Nazidiktatur über ihrer Familie liegt. Sorgfältig halten ihre Eltern sie aus allem heraus, was ihr Angst oder Kummer bereiten könnte. Das Wort „Jude” kennt sie gar nicht, wüsste auch nichts damit anzufangen. So erlebt sie zunächst eine unbeschwerte Kindheit in einem wohlhabenden Elternhaus. Doch bald spürt die Tochter den Druck, der auf den Eltern lastet. Sie reden nicht mit ihr darüber, aber gerade das ängstigt sie zunehmend. Sie fühlt sich einsam und allein gelassen, oft ins Kinderzimmer “verbannt”. Das verstärkt sich, als sie, seit 1939 Schülerin, eines Tages von einer ihrer besten Freundinnen gesagt bekommt: „Mein Vater hat mir verboten, weiter mit dir zu spielen.” Warum, dafür hat diese keine Erklärung. Und auch Ginas Eltern erklären ihr nichts. “So kamen nach und nach immer mehr Dinge zu Tage, die mich in eine Außenseiterrolle drängten, bei denen ich aber nie wusste, warum”, erinnert sich die Tochter. Im Nachhinein wird ihr deutlich, wie schrecklich dies alles für Ihre Eltern gewesen sein mag, besonders für ihren Vater. Im Jahre 1942, wird Hermann Zerkowski von der Gestapo verhaftet. Und kehrt nie wieder zurück. Später erfährt die Tochter, und kann es bis heute kaum begreifen: Mein Vater Hermann Zerkowski wurde 1943 in Auschwitz umgebracht.

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