Im Zuge postmoderner und poststrukturalistischer Theoriemoden ist es längst selbstverständlich geworden, vom Verschwinden des Realen zu sprechen und darüber hinaus die Objektivität des modernen Wissenschaftsverständnisses in Bezug auf Schlüsselkategorien wie „Wahrheit“, „Materialität“ oder “Widerspruch“ nonchalant schlichtweg zu leugnen. Verabschiedet werden soll damit häufig ein der kritischen Theorie unterstellter Rigorismus, beziehungsweise die kritische Theorie selbst, als hätte sie stets nur blind eine statische, bloß metaphysisch dialektische Auffassung von Wirklichkeit als Faktizität verteidigt.

Dieses mehr ressentimenthafte, als argumentativ stichhaltige Bild gilt es zu korrigieren: Nicht nur reicht die theoriemodische Kritik an die in Frage stehenden Konzeptionen der kritischen Theorie ohnehin nicht heran, sondern gerade im Kontext der kritischen Theorie wurde das, was wir „Wirklichkeit“ nennen, im 20. Jahrhundert einer dynamischen und prozessorientierten, insofern offenen Analyse unterzogen.

Im Vortrag soll diese Analyse an den Begriffen Realismus, Surrealismus, Möglichkeit und schließlich Wirklichkeit selbst nachvollzogen werden.

Referent:
Roger Behrens