Wenn sich weiße Deutsche mit Rassismus auseinandersetzen, so distanzieren sie sich meist von einem Rassismus, der entweder in der Vergangenheit oder bei anderen, weniger gebildeten und fortschrittlichen weißen Deutschen vermutet wird. Stattdessen erscheint eine so genannte Farbenblindheit , ein ich sehe keine Unterschiede, für mich sind alle Menschen gleich als politisch korrekte antirassistische Haltung. Doch rassistische Zuweisungen wirken sich tagtäglich auf unzähligen Ebenen aus, beeinflussen banale zwischenmenschliche Beziehungen und konstruieren unsichtbare, aber unüberwindliche Grenzen. Anfang der 1990er Jahre begann im deutschsprachigen Raum an Universitäten und in antirassistischen Initiativen die Auseinandersetzung mit Weißsein als grundlegender Kategorie rassistischer Ungleichheit, die die weit ältere US-amerikanische Debatte um Whiteness aufgegriffen hat. Außerdem bildete sich Mitte der 1990er Jahre der Ansatz Empowerment von und für People of Color heraus mit dem Ziel unter Bezugnahme auf die lange Präsenz von People of Color in Deutschland Rassismuserfahrungen zu reflektieren und sich gegenseitig zu stärken.

Die ReferentInnen Jasmin Dean und Kevin Stützel werden in ihrem Vortrag die Möglichkeiten und Grenzen von Critical Whiteness Seminaren und Empowerment von und für People of Color aufzeigen und vorherrschende antirassistische Argumentationsmuster kritisieren. Sie sind in der Politischen Bildungsarbeit, antirassistischen Gruppen und an der Hochschule aktiv.