25.05.11 // Vortrag: Ljiljana Radonic // Die Bedeutung der Psychoanalyse für die Kritische Theorie – Antisemitismus als narzisstische Kränkung und pathische Projektion

Vortrag: Ljiljana Radonic | 25.05.11 | 19 UHR Uni-Magdeburg FGSE | Gebäude 40 | Zschockkestrasse 32
Raum ist vor Ort ausgeschrieben

In den 1930er Jahren drängte sich den Kritischen Theoretikern die Frage
auf, warum, trotz objektiver Möglichkeit die befreite Gesellschaft sich
nicht einstellen wollte, ja ganz im Gegenteil sich die Massen dem
Nationalsozialismus zuwandten. Die Suche nach dem über ökonomische
Interessen hinausgehenden Kitt der Gesellschaft führte Horkheimer, Adorno
und Marcuse zur Psychoanalyse. Mit Hilfe der Psychoanalyse und der
Freudschen Massenpsychologie analysierten sie Antisemitismus als eine
narzisstische Kränkung und pathische Projektion – ohne dabei den Primat
der Ökonomie vor der Psychologie zu leugnen und in Psychologisierungen zu
verfallen. Doch warum zieht seitdem jeder Versuch einer Revision der
Theorie ihren gesellschaftskritischen Stachel? Und warum bleiben die
“Elemente des Antisemitismus” und die “Studien zum autoritären Charakter”
bis heute die gelungensten Analysen des Antisemitismus? Abschließend
stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Entwicklung zur „vaterlosen
Gesellschaft“ und die Transformation von der „autoritären Persönlichkeit“
zu einem „charakterlosen Charakter“ auf die Kritische Theorie haben.

Dr. Ljiljana Radonic lehrt über Antisemitismustheorie und Europäische
Erinnerungskonflikte seit 1989 an der Universität Wien.

Publikationen:
Krieg um die Erinnerung. Kroatische Vergangenheitspolitik zwischen Revisionismus und europäischen Standards, Frankfurt 2010;
Mit Freud. Psychoanalyse und Gesellschaftskritik, Freiburg 2007 (Hg. mit Renate Göllner);
Die friedfertige Antisemitin. Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus, Frankfurt 2004.